Gustav-Adolf-Werk Kurhessen-Waldeck e.V.

Gustav-Adolf-Werk Kurhessen-Waldeck e.V. – Aktuelles

Hauprednerin Prälatin Gabriele Wulz (3.v.r) mit dem Vorstand des GAW (v.r.): Pfarrerin Doris Krause (Vorsitzende GAW-Kurhessen-Waldeck), Pfarrerin Melanie Keller-Stenzel, Thorsten Gerhold, Inge Rühl, Pfarrer Thomas Dilger und Konrektorin a.D. Ulrike Kany. Foto: medio.tv/schauderna
13.11.2018

Bericht: Mitgliederversammlung am 5. November 2018 im Haus der Kirche in Kassel

„Ein hörendes Herz" – mit diesem Motiv stimmt Pfarrer Thomas Dilger die Anwesenden bei der Mitgliederversammlung (MV) in den Tag ein. An die biblische Erzählung von König Salomo knüpft er an und macht deutlich, wie schon König Salomo ein hörendes Herzen hatte. Anschaulich vertieft dies eine Skulptur. So ermutigt Thomas Dilger, in der Lebensgestaltung empfänglich für Erfahrungen zu bleiben, die die Begegnung mit Gottes Schöpfung ermöglichen.

Das Motiv des ‚hörenden Herzens' begleitet die Zuhörenden während der gesamten MV. Pfarrerin Birgit Hamrich (Zentrum Ökumene, Frankfurt) greift in ihrem Grußwort dieses Motiv auf. Weltweite Solidarität sei identisch mit Barmherzigkeit, aus der heraus Menschen berührt werden. Und hier kommt der Bezug zum Gustav-Adolf-Werk. Über ein weltweites Netz verfüge das GAW. Dieses Netz gelte es zu stärken und wahrzunehmen, wozu ein ‚hörendes Herz' nötig sei.

Mit Spannung erwartet die MV den Vortrag von Gabriele Wulz, Prälatin aus Ulm und Präsidentin des GAW: „Wo der Glaube lebt – Lernen aus der Diaspora." Gabriele Wulz stellt gleich zu Beginn ihres Vortrages heraus: Von der Diaspora können wir lernen, dass man auch mit weniger Ressourcen evangelisch sein kann. Oft würde die Meinung verbreitet, dass wir uns von Gemeinden in der Diaspora eine Scheibe abschneiden könnten, im Blick auf Strukturdebatten und Verlustängste unserer Mitgliederzahlen. Mit dieser Blickrichtung laufe man aber Gefahr, Diasporagemeinden zu verherrlichen oder zu idealisieren. Darum betont Gabriele Wulz: „Diasporagemeinden sind nicht die besseren Gemeinden, und es wirken in ihr auch nicht die besseren Menschen." Und weiter: „D i e Diaspora gibt es nicht. Und lernen können wir von allen Gemeinden – seien sie uns sympathisch oder auch ausgesprochen unsympathisch." Festgelegte Sichtweisen können in der konkreten Begegnung aufgebrochen werden.

Als erstes Beispiel nennt Gabriele Wulz eine Reise in die nordgriechische Diaspora zu Gemeinden der Griechisch - Evangelischen Kirch und deren Koordinator Melitis Melitiadis. Der Einsatz für Flüchtlinge sei für die kleine Kirche eine Chance, sich nicht abzukapseln.

Von einer zweiten Episode berichtet Präsidentin Wulz. Es ist die Entdeckung in einer evangelischen Kirche am Neusiedler See. Die bewegte Geschichte dieser evangelischen Diasporagemeinde macht deutlich, wie Menschen im Aushalten, Durchhalten und Dranbleiben ihren Glauben gelebt und weitergegeben haben. Über hundert Jahre lang hatten die Evangelischen in Mörbisch im Untergrund durchgehalten. Erst mit dem Toleranzpatent von Joseph II. im Jahr 1781 konnten sie öffentlich als Evangelische leben. Und dann bauten sie mitten im Dorf groß und sichtbar die evangelische Kirche.
Eine dritte Erfahrung stellt Gabriele Wulz in ihrem Vortrag den Zuhörenden in Kassel vor Augen. Im November 2017 wurde sie zu 500 Jahre Reformation in Ägypten eingeladen. Eigentlich seltsam. Die koptisch evangelische Kirche Ägyptens ist erst im 19. Jahrhundert entstanden. Diese Kirche engagiert sich im Gesundheits- und Bildungsbereich und hatte schon vor über hundert Jahren die erste Mädchenschule Ägyptens gegründet.

Auf dem Hintergrund der geschilderten Erfahrungen und Begegnungen fasst Gabriele Wulz zusammen: Diaspora bringt nicht nur den Mangel zum Ausdruck. Denn: „Diaspora ist nicht nur defizitär zu verstehen, sondern sie birgt ein Hoffnungspotential in sich. Es kann uns aufgehen, dass wir nicht ausschließlich auf Zahlen und Quantitäten schauen, sondern auf das, was an Beziehungen wächst. Deshalb: Diaspora ist kein statischer, sondern ein relationaler Begriff. Auf Beziehung hin angelegt."
Zum Schluss ihres Vortrages ermutigt Gabriele Wulz die Zuhörenden, in Begegnungen und Bezieh-ungen die Entdeckung zu machen, dass wir gemeinsam in die Welt gesandt sind, um Zeugnis von Jesus Christus zu geben, in Wort und Tat. Dazu will das GAW helfen.

Mit herzlichem Dank für die Impulse, die Präsidentin Wulz den Freundinnen und Freunden des GAW mit auf den Weg gegeben hat, verabschiedet Vorsitzende Pfarrerin Doris Krause den Gast aus Ulm.

Zum Ablauf der MV zählen auch die Berichte aus dem Vorstand, aus der Frauenarbeit, der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Bericht des Schatzmeisters. Allen Berichten ist gemeinsam, dass sie großes Engagement widerspiegeln. Die Hauptgruppe GAW Kurhessen-Waldeck e.V. pflegt Kontakte zur GAW Zentrale in Leipzig, zu anderen Hauptgruppen, sowie anderen Hilfswerken und nicht zuletzt zu Diasporakirchen wie beispielsweise in Kirgistan oder Estland. Davon berichtet Vorsitzende Pfar-rerin Doris Krause. Die Frauenarbeit im GAW Kurhessen-Waldeck zeichnet sich durch eine intensive Basisarbeit aus. Dazu gehören Vorträge, Benefizkonzerte, ein Frauenfrühstück sowie eine jährliche Studienreise. Inge Rühl, Vorsitzende der Frauenarbeit, gibt darüber einen Einblick.

Wie es um die Finanzen von GAW Kurhessen-Waldeck steht, führt Schatzmeister Thorsten Gerhold vor Augen. Spendenbereitschaft und Zuwendung durch Kollekten sind im Vergleich zu früheren Jahren leider etwas rückläufig. Ungeachtet dieser Feststellung geht es darum, auch im kommenden Jahr Projekte finanziell zu unterstützen. Die MV beschließt, 45.500 € an das GAW Diasporawerk der EKD e.V. nach Leipzig zu überweisen. Mit diesem Betrag sollen Projekte des GAW u.a. in Griechenland, in Slowenien, Venezuela und in Brasilien unterstützt werden.

Aus der Öffentlichkeitsarbeit berichtet Ulrike Kany. Als Neuerung konnte im Verlaufsjahr ein Newsletter auf der Homepage eingerichtet werden. Aufwändig war die Erarbeitung einer aktua-lisierten Datenschutzerklärung auf der Homepage des GAW. Die Besucherzahlen der Homepage sind leicht gestiegen. Besonders erfreulich ist, dass die Verweildauer beim Lesen der einzelnen Seiten gestiegen ist. Neben der Pflege der Homepage werden nach wie vor Berichte über die Arbeit des GAW in Printmedien veröffentlicht.

Stand zu Beginn der MV das ‚hörende Herz' im Focus, so haben sich im Verlauf der Versammlung viele Facetten aufgetan, wie aus dem hörenden Herzen Taten erwachsen können.


Ulrike Kany
Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit im GAW Kurhessen-Waldeck

 

Weiterführende Links:

ekkw.de/aktuell.php
ekkw.de/aktuell/meldung/aktuell_26137.htm



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