Gustav-Adolf-Werk Kurhessen-Waldeck e.V.

Gustav-Adolf-Werk Kurhessen-Waldeck e.V. – Aktuelles

Dr. Margot Käßmann
Foto: M. Spohr
29.03.2018

Witzenhäuser Frauenmahl

Zu einem festlichen Abendessen mit Austausch zur Zukunft von Religion und Kirche haben sich am 10. März auf Burg Ludwigstein 120 Frauen getroffen.

Zum zweiten Mal wurde in Zusammenarbeit des Kirchenkreises Witzenhausen, der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk, dem Referat der Erwachsenenbildung, Frauenarbeit in der EKKW und der Evangelischen Frauenarbeit im Kirchenkreis Witzenhausen in den nördlichsten Zipfel der Landeskirche eingeladen. Das Interesse am Austausch zur Zukunft von Religion und Kirche unter dem Thema „Mein Gott, wie haben wir uns verändert" stieß auf sehr großes Interesse. Das lag zum Einen an der Faszination, die von der Veranstaltung „Frauenmahl" ausgeht, und zum anderen an den Referentinnen, die mit ihren Tischreden ganz unterschiedliche Facetten einer veränderten Kirche und Gesellschaft aufzeigten: Dr. Margot Käßmann, Reformationsbotschafterin der EKD, Wanda Falk, Generaldirektorin der Diakonie der Evangelischen Kirche A.B. in Polen, Angela Fischer, Bürgermeisterin in Witzen-hausen, Karin Weinsberg, Sozialarbeiterin und Sandra Parker für das diakonische Projekt „Wohnen für Hilfe".

In der Begrüßung zeigten Dekanin Ulrike Laakmann und Inge Rühl, Leiterin der Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werkes (GAW), wie wir Veränderungen an der Welt und an uns selbst wahrnehmen. Was ist mit unseren Träumen geworden, die wir im Alter von zwanzig oder dreißig Jahren träumten? Haben die Veränderungen uns zu dem gemacht, was wir jetzt sind?

Bevor der erste Gang serviert und die erste Tischrede gehalten wurde, erfreuten sozusagen als Vorspeise die „Glaubensfrüchtchen" die Festgesellschaft: drei Clowninnen in Aktion – ein Augen- und Ohrenschmaus.

Den Blick auf die Reformation und wichtige Impulse, die durch Frauen der Reformation gesetzt wurden, eröffnete in der ersten Tischrede Dr. Margot Käßmann. Frauen seien keineswegs ein Randthema der Reformation gewesen. Die Taufe habe alle auf eine Stufe gestellt. Schon früh erkannten diese Frauen die Bedeutung von Bildung und setzten sich für Schulen für Mädchen und Jungen ein.

In der Tischrede von Bürgermeisterin Angela Fischer standen die gesellschaftlichen Veränderungen in der Region im Mittelpunkt. Witzenhausen sei schon immer eine weltoffene Stadt gewesen, was auch im Zusammenhang mit der Universität stehe. Eine gesellschaftspolitische Gesprächskultur werde in ihrer Stadt praktiziert. Respekt vor Menschen unterschiedlicher Herkunft zu zeigen, sei ein hohes Ziel, das auch bei Problemen nicht aufgegeben werden soll.

Es folgte eine dritte Tischrede. Generaldirektorin Wanda Falk berichtete über Veränderungen in Polen seit 1989: in der Politik, in den Schulen oder auf dem Arbeitsmarkt. Wanda Falk zeigte auf, welche Veränderungen in Polen auftreten, wenn Ärzte oder Pflegepersonal in ihrem Heimatland keine Zukunft mehr sehen und ins Ausland abwandern. Zwischen 200 000 und 500 000 Frauen arbeiten im Ausland als Pflegekräfte. Die Folgen für die zurückgebliebenen Kinder oder alte Menschen seien katastrophal. Mit großer Dankbarkeit erwähnte Wanda Falk in diesem Zusammenhang die finanzielle Unterstützung durch die Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk. Dank dieser Hilfe konnte das Projekt „Mobile Schule" für Eurowaisen, Kinder von Arbeitsmigranten, durchgeführt werden. Mit gespannter Aufmerksamkeit hörten die Frauen zu, als Wanda Falk ihre Tischrede in Deutsch vortrug.

Veränderte Lebensmodelle setzen neue Impulse frei. Darum ging es in der vierten Tischrede. Katrin Weinsberg und Sandra Parker stellten das diakonische Projekt „Wohnen für Hilfe" vor. Dabei geht es um Solidarität unter den Generationen: Menschen mit freiem Wohnraum bieten diesen an; im Gegenzug übernehmen die Mieter Hilfe im Haushalt oder Garten. Nach klaren Absprachen und einem geregelten Vertrag ist beiden Seiten geholfen: alleinstehenden – meist älteren – Menschen und jungen Mietern – meist Studierenden.

Die letzte Tischrede war ein Resümee von Dr. Margot Käßmann. Soziale Gerechtigkeit sowie die Würde des Menschen sollten auf allen Ebenen der Gesellschaft gewährleistet werden. In einer Spaßgesellschaft sei es immer wieder wichtig, die Sinnfrage zu stellen: wie können wir sinnvoll leben und wie in Beziehung zu anderen. Eine Richtschnur können dabei die Seligpreisungen aus dem Neuen Testament bilden. Sie setzten Maßstäbe für die Beziehung der Menschen untereinander und zu Gott.

Umrahmt von musikalischer Begleitung und gestärkt mit regionalen Speisen in einem festlichen 3-Gänge-Menü, in das die Tischreden eingebaut wurden, ging ein spannender und in vielerlei Hinsicht erfüllter Abend auf Burg Ludwigstein zu Ende.

Ulrike Kany
Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit im GAW Kurhessen-Waldeck

 

Vortrag Wanda Falk

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